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Das Dreieck

| Quelle: Hans A. Berneck... | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Die Märkte stehen im neuen Jahr vor einer besonderen mathematischen Lösung. Es ist das bekannte Dreieck zwischen Inflation, Zins und Geldmenge. In der Mathematik gibt es in der Lösung eines Dreiecks mathematische Gesetze. Das wusste schon Pythagoras. In der Wirtschaft gibt es nur Gesetzmäßigkeiten. Sie orientieren sich an den tatsächlichen Gesetzen, aber mit unterschiedlichen Konsequenzen in ihren Beziehungen. Aber keine von den drei Fakten kann eine Sonderrolle spielen, ohne dass die anderen berührt werden. Das ist die Blackbox des Börsenjahres 2022.

Der interessanteste Aufhänger ist natürlich die Inflation. Zunächst wird sich die in den letzten Monaten stark angezogene Teuerung in den kommenden Wochen wieder reduzieren. Der Hintergrund sind die statistischen Effekte in den jeweiligen Preisen, die sich mathematisch auflösen lassen, aber bei rd. 100.000 Produkten in verschiedenen Beziehungsformen benötigt man einen Quantencomputer, um daraus einen brauchbaren Mittelwert zu erzeugen. Fest steht lediglich: Den ersten statistischen Effekten folgt jetzt eine Art Begradigung, dem anschließend die nachhaltigen Trends für alle Preise folgen werden. Daraus entsteht der langfristige Inflationseffekt, den man mit etwa 4 bis 4,5 % auf eine Sicht von 24 bis 36 Monate schätzen könnte. Auch für 4 Jahre lässt sich dies annehmen. Auf den letzten Punkt kommt es nicht an, entscheidend ist der Trend.

Jede Inflation führt zu Konsequenzen in der Zinsentwicklung. Egal, ob kurz oder lang, jedenfalls mit mathematischer Genauigkeit, a) mit einer Zeitverzögerung und b) mit einer größeren Schwankungsbreite, die davon abhängt, wie die monetären Behörden darauf reagieren. Doch deren Instrumente sind beschränkt. Also: Der wichtigste Indikator sind die Amerikaner bzw. deren Notenbank. Jede Tendenz einer Inflation muss von der Fed aufgenommen und entsprechend im Marktverhalten berücksichtigt werden. Dann sind wir bei der Geldmenge.

Die Steuerung der Geldmenge ist jedem leicht zu erklären. Weniger Geld macht den Spielraum für alle Geschäfte kleiner oder enger und weniger Geld bedeutet steigende Preise für Geld, also Zins. Der Zusammenhang zwischen beiden wird fast täglich in den Medien erläutert.

Wie Inflationen insgesamt wirken, hat schon der bekannte Mathematiker und Astrologe Kopernikus vor über 500 Jahren beschrieben. Sein Originaltext ist bei Google nachzulesen, wenn auch etwas schwierig, da er in Mittelhochdeutsch verfasst ist. Übersetzungen gibt es dafür. Sein Zeitgenosse war Jakob Fugger, der berühmteste Bankier der damaligen Zeit und Finanzier der Kaiserwahl von Karl V. Wie er handelte, lässt sich ebenfalls nachvollziehen, und die besonders interessante Variante lag darin, dass Jakob Fugger als erster Deutscher in Venedig die arabische Null kennenlernte und wie man sie benutzt. Anschließend lernte er in Florenz die berühmte doppelte Buchhaltung kennen, die für die Medici zum Erfolgserlebnis wurde. Damit war er als Erster in der Lage, Zinsdifferenzen hinter dem Komma zu berechnen, also z. B. mit der Formulierung 0,3 % von xxx. Warum sage ich das?

Zinsentwicklungen aufgrund von Teuerungstrends sind keine Sache von drei Tagen oder Beschlüssen von irgendwelchen Gremien. Sie entwickeln sich unabhängig in ganzer Breite und darauf reagiert die Wirtschaft entsprechend vorsichtig oder weitsichtig, aber nachhaltig. Mithin:

Wie die Variationen zwischen Inflation, Zins und Geldmenge im Einzelnen wirken, wird zur Blackbox des neuen Börsenjahres. Einfacher ausgedrückt:

Alle Übertreibungen in den Bewertungen mit Storys aller Art, von Tesla über Apple bis Facebook und sonstigen Titeln bis zu den Corona-Gewinnern, führen zu deutlichen Reduzierungen der Marktwerte dieser Firmen, in der Regel zu einer Halbierung. Das klingt spektakulär, was es gar nicht ist. Es genügt ein Rückblick auf rund 20 Jahre, um dies nachzuvollziehen. Für jeden einzelnen Titel ergeben sich daraus die möglichen Konsequenzen.

Soweit zum Anfang, der sich bereits in den drei ersten Börsentagen des Jahres schon gezeigt hat: Apple und Tesla stehen immer für eine Story, dabei bleibt es. Die Autokonzerne stehen für keine Story, aber sind unverhältnismäßig billig. Beide Sektoren müssen sich also anpassen, die einen von oben nach unten, und die anderen von unten nach oben. In diesen Verhältnissen liegen die neuen Potenziale für Investments.

Ihr

Hans A. Bernecker

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Hans A. Bernecker

Hans A. Bernecker Hans A. Bernecker ist das Urgestein der dt. Börse. Seit grob sechs Jahrzehnten bietet der Nationalökonom Orientierung bei der Markteinschätzung und der Ableitung von Investmentchancen. Neben seinem Informationsdienst "Die Actien-Börse" stehen diverse Börsenbriefe aus seinem Redaktionsteam. Charakteristisch ist sein Mut, bei Bedarf gegen den Meinungsstrom zu schwimmen. Dabei kommt ihm nicht nur sein langjähriger Erfahrungsschatz zugute, sondern auch unzählige persönliche Kontakte, die ihm besonders intime Einblicke ermöglichen.

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