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Das Orakel

| Quelle: Hans A. Berneck... | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Bevor die alten Griechen in den Kampf zogen, befragten sie zunächst einmal das Orakel von Delphi. Eine Dame war diejenige, die den Spruch dann verkündete. Die alten Römer gingen zu den 12 Vestalinnen, die als Hüterinnen des heiligen Feuers galten und der Göttin Vesta dienten. Daran hielten sich beide regelmäßig, was meistens auch gutging. Die konkreten Beweise fehlen, aber zumindest im Kampf der Römer gegen Hannibal gibt es glaubhafte Belege dafür, dass Hannibal nicht nach Rom marschierte, sondern bei Cannae zwar die Schlacht gewann, aber die Römer nicht besiegte. So ähnlich läuft es jetzt für alle Börsianer.

 

Die Wende in der Geldpolitik ist greifbar nahe. Darüber kann nicht mehr diskutiert werden. Offen ist, wie die Parteien dies sehen und was sie daraus machen. Jeder weiß: Weniger Geld bedeutet weniger Auftrieb. Also kommt es nun darauf an, wie das langsame Zudrehen des Geldhahnes auf die Aktivitäten in den Märkten wirkt. Ein Vorbild gibt es dafür nicht, denn eine Geldschwemme dieser Art seit 12 Jahren, eigentlich 20 Jahren, hat es in der Börsengeschichte noch nie gegeben.

 

Das leiseste Fehlsignal oder das weiterführende richtige Signal ist entscheidend, wie alle Anleger darauf reagieren müssen. Das gilt für den größten Fondsmanager der Welt, BlackRock, genauso wie für jeden Privatanleger. Alle sitzen gemeinsam im Aktien-Topf.

 

Die politische Entwicklung in Deutschland ab dem 27. September führt zu einem ähnlichen Ergebnis: Da nach aktuellen Umfragen wohl 5 Varianten der Koalitionen wahrscheinlich erscheinen, ist so gut wie alles möglich. Eine einzige Erkenntnis lässt sich schon herausfiltern:

 

Es steht eine grundsätzlich andere politische Hauptrichtung für Deutschland bevor. Die einen nennen es positiv, die anderen negativ. Wenn jedoch ein Land, das seit rd. 30 Jahren wiedervereinigt ist und in den letzten 16 Jahren sehr geschickt und ruhig von einer Bundeskanzlerin maßgeblich regiert wurde, so herrschte in dieser Zeit innerer Frieden. Das entspricht der deutschen Mentalität. Weder seit der Wiedervereinigung noch ab 2005 gab es eindeutige Aufbruchsschritte oder -erwartungen. Innerer Friede war angesagt. Darauf haben sich sowohl die Chefs großer Konzerne wie der kleine Handwerker aus Unternehmersicht eingestellt. Für alle Arbeitnehmer und Hartz-IV-Empfänger ging es regelmäßig darum, kleinteilige Vergünstigungen zu erreichen, die nachvollziehbar sind. Daran kann man nicht zweifeln und es gehört zur deutschen Mentalität der sozialen Gerechtigkeit.

 

Wie viel wird davon demnächst verändert werden? Der Aktienmarkt ist einer der sensibelsten Märkte, der dies vorauszunehmen versucht. Mit dem neuesten Umfrageergebnis von Forsa sind die Konstruktionen schon ablesbar.

 

Die amerikanische Seite liefert eine Art Schieflage. Im größten Index der Welt haben 5 bis 7 große Tech-Giganten das größte Gewicht. Als schwerste Unternehmen der Welt mit einem Beinahe-Monopol in ihren jeweiligen Sektoren. Es gibt keine Konkurrenz und es gibt angeblich auch keinen Fonds oder eine andere Vermögensverwaltung, die nicht in diesen Aktien investiert sind. So weit die Recherchen von JP Morgan und Goldman Sachs gemeinsam. Die beschriebene Zinswende wird aber nicht spurlos vorbeigehen. Insbesondere, wenn die nun vorliegenden Gesetzesschritte im amerikanischen Kongress demnächst in die Verhandlungen gehen. Dabei steht nur fest: Sie sollen in ihrer Macht beschnitten werden. Ob und wie, ist unbekannt, aber sicher. Wenn aber ein Marktgewicht von rd. 25 % am S&P 500, der rd. 36 Bio. $ umfasst, in eine solche Prüfung gerät, wird es schwierig. An dieser Erkenntnis kann niemand zweifeln.

 

Was sagt das Orakel? Wenn sich nach diesen Perioden etwas ändert, wirkt es wie der berühmte Stein, der ins Wasser geworfen wird. Er schlägt Wellen. Das wird sich schon in den kommenden vier bis sechs Wochen gut erkennen lassen. Es geht nicht um Crash oder sonstige kritische Lagen, sondern um die Haltung der Anleger in diesem Umfeld. Das ergibt eine andere Strategie, mehr nicht.

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Hans A. Bernecker

Hans A. Bernecker Hans A. Bernecker ist das Urgestein der dt. Börse. Seit grob sechs Jahrzehnten bietet der Nationalökonom Orientierung bei der Markteinschätzung und der Ableitung von Investmentchancen. Neben seinem Informationsdienst "Die Actien-Börse" stehen diverse Börsenbriefe aus seinem Redaktionsteam. Charakteristisch ist sein Mut, bei Bedarf gegen den Meinungsstrom zu schwimmen. Dabei kommt ihm nicht nur sein langjähriger Erfahrungsschatz zugute, sondern auch unzählige persönliche Kontakte, die ihm besonders intime Einblicke ermöglichen.

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