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Der Barwert

| Quelle: Hans A. Berneck... | Lesedauer etwa 3 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

In den ersten zwei Tagen dieser Woche lösten sich innerhalb weniger Stunden ungefähr 1,7 bis 1,8 Bio. Dollar in Luft auf. Rund 50.000 Aktien an allen relevanten Börsen waren dabei. Allein der S&P 500 schaffte schon mal 754 Mrd. Dollar. Der Nasdaq erreichte ungefähr 440 Mrd. Dollar. Das ergibt zusammen bereinigt um Doppelzählungen rd. 1,2 Bio. Dollar für die Wall Street. Die Europäer bringen es zusammen mit Zürich und London auf ungefähr 420 Mrd. Dollar umgerechnet, China ist nicht berücksichtigt. Damit sind etwa 20 bis 25 % Risiko, wie von mir angenommen, schon mal weg. Denn auch Tokio und Shanghai stehen technisch in der gleichen Situation, aber die Zahlenvergleiche sind unzuverlässig.

Am Montag und Dienstag gab es keine neuen Erkenntnisse aus der Wirtschaft. Weder Statistik noch nachvollziehbare Prognosen, aber Warnsignale über die künftige Geldpolitik als wichtigstem Aufhänger. Die New Yorker Analysten stützen sich nun auf einen neuen Bewertungsbegriff, der sehr alt ist, aber offenbar vergessen wurde: Der Barwert.

Der Barwert ist nichts anderes als der diskontierte Wert eines Investments bezüglich seiner Qualität oder seines Ertrages, diskontiert mit dem Zins, der im Markt gültig ist. In der Regel auf der Zeitschiene von drei bis fünf Jahren für die Unternehmensgewinne. Es gibt auch Berechnungen bis zehn Jahre, die eher fragwürdig sind. Das bedeutet:

Steigt der Zins, reduziert sich der Barwert nach der Zinseszinstabelle entsprechend. Dann wird aus einem KGV von 30 sehr schnell ein solches von 25 oder 20. Bei KGVs über 80 kann sich jeder denken, was er will. Auf diesen Größen von Gewinnschätzungen basierten aber gut 90 % aller Techs und in den letzten Monaten auch die entsprechenden Corona-Gewinner. In dieser Berechnungsformel steckt also das Risiko einer Bereinigung.

Dieses Großreinemachen wird uns in den nächsten Wochen beschäftigen. Denn in ca. 2 Wochen gibt es die ersten Quartalszahlen für Quartal III, die mit hinreichender Sicherheit vorsichtiger ausfallen als die für Q.I und Q.II. Zumindest werden die Prognosen bescheidener sein. Daraus wird jeder Analyst seine Schlüsse ziehen müssen und steht in der Zwangslage, alle Kurse, die er in den letzten zwei Quartalen rundum veröffentlichte, zu korrigieren. Was herauskommt, wird sich nun zeigen. Klar ist:

Die Geschäftsfelder oder Kerngeschäfte gut geführter Unternehmen stehen nicht zur Diskussion. Es geht allein um a) die aktuelle Einschätzung und b) um die künftige. Dann sind wir wieder beim Wort Barwert. Eine ganze Generation von Analysten muss sich demnächst ernsthaft darum bemühen, die Gewohnheiten, die sich aus der Geldschwemme ergaben, den Realitäten anzupassen. Das wird spannend.

Ihr

Hans A. Bernecker

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Hans A. Bernecker

Hans A. Bernecker Hans A. Bernecker ist das Urgestein der dt. Börse. Seit grob sechs Jahrzehnten bietet der Nationalökonom Orientierung bei der Markteinschätzung und der Ableitung von Investmentchancen. Neben seinem Informationsdienst "Die Actien-Börse" stehen diverse Börsenbriefe aus seinem Redaktionsteam. Charakteristisch ist sein Mut, bei Bedarf gegen den Meinungsstrom zu schwimmen. Dabei kommt ihm nicht nur sein langjähriger Erfahrungsschatz zugute, sondern auch unzählige persönliche Kontakte, die ihm besonders intime Einblicke ermöglichen.

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