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Der Blitzschlag Nr. 2

| Quelle: Hans A. Berneck... | Lesedauer etwa 3 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Der Sprung der amerikanischen T-Bond-Renditen auf 1,875 % am Dienstag traf die Märkte wie ein Blitzschlag. Im Februar 2020 habe ich Ihnen an dieser Stelle den Blitzschlag schon einmal erklärt. Die Fortsetzung jetzt: Die Weitsichtigen waren vorbereitet, die Hoffnungsvollen warteten ab. Ausgelöst ist damit das, worauf ich seit langem gewartet habe. Das Beziehungsdreieck Inflation, Zins und Geldmenge habe ich ausführlich erläutert. Wer wen anstößt, ist nicht wichtig, aber die jeweiligen Folgen sind gravierend.

Damit steht eine unsichere Periode bis etwa Mitte März bevor. In der bereits laufenden Berichtssaison werden alle Ergebnisse von Firmen und ihre Perspektiven darauf abgestellt werden, wie sie zu bewerten sind. Lediglich darum geht es, nicht um die unmittelbaren Zahlen für Umsatz, Gewinn etc. Vereinfacht ausgedrückt:

Aus den Fantasiebewertungen werden Normalbewertungen. Bei den ganz Großen kann das schon mal ein halbe Billion Dollar werden, etwa wenn Apple lediglich um etwa 15 % nachgibt. Das wäre eine normale Anpassung der Bewertung an die ebenfalls normale Geschäftsentwicklung. Bei kleineren Unternehmen ist das Risiko wahrscheinlich größer. Bezeichnend dafür:

Am Dienstag der Woche mussten 472 Aktien im S&P 500 rot schreiben. Quer durch sämtliche Sektoren und in der Breite des größten Marktes der Welt, der zusammen immerhin knapp 40 Bio. Dollar Marktwert erreicht. Also: Nicht nur Techs sind davon betroffen, sondern auch andere Sektoren bis zu Immobilien, deren Achillesferse darin besteht, dass amerikanische Immobilienkredite anders strukturiert sind und eine Fed-Entscheidung in Sachen Zinsen sehr schnell und direkt umgesetzt wird.

Wie verläuft eine solche Normalisierung? Der zitierte Blitzschlag ist der Anfang. Dann geht es in Schritten weiter und das Tempo dafür gibt die Fed vor. Natürlich kennt sie die Risiken und deshalb hat sie auch so lange damit gewartet, die Zinsentscheidung endlich zu fällen. Sie wird in Minischritten die kurzen Zinsen anheben, wobei der lange Zins am T-Bond-Markt die Richtung anzeigt. Die daraus entstehende Zinsstrukturkurve ist so eine Art Messlatte. Das ändert nichts daran, dass die Korrektur aller Übertreibungen nicht zu vermeiden sein wird.

Unerfahrene Tech-Investoren müssen sich daran gewöhnen, selbst nachzudenken, wo Übertreibungen vorliegen und wo nicht. Wenn Aktienempfehlungen für Unternehmen herumgereicht werden, wie dies für die deutschen Mid und Small Caps bisher galt, kann jeder an zehn Fingern nachrechnen, dass eine Bewertung mit dem 6- oder gar 10-Fachen des Umsatzes als Marktwert schlicht Unsinn ist. KGVs oberhalb von 30 sind obsolet. Noch nicht einmal BioNTech als besondere Impfaktie kann dies dauerhaft tragen. Umgekehrt:

Jeder Umbau der Bewertungen führt zu einem Aufbau in der Bewertung solider Geschäfte, wenn sie tragfähig sind. Davon gibt es leider wenige, insbesondere in Frankfurt, und natürlich bleiben alle Techs die Zukunftsversion schlechthin. Die Konsequenz habe ich deshalb bereits gezogen: 30 – 40 % Barquote dürften reichen. Damit vermindern Sie zum einen das Risiko und sind zum anderen offen für neue Investitionen in den Titeln, die ausreichend korrigiert haben. Das braucht längere Zeit und erfordert keine Eile. Der aktuelle Zielplan auf kürzere Sicht läuft bis etwa Mitte März als Teil der Gesamtkonsolidierung. Ob also schon Mitte März alle Risiken abgearbeitet sind, wird sich noch zeigen.

Ihr

Hans A. Bernecker

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Hans A. Bernecker

Hans A. Bernecker Hans A. Bernecker ist das Urgestein der dt. Börse. Seit grob sechs Jahrzehnten bietet der Nationalökonom Orientierung bei der Markteinschätzung und der Ableitung von Investmentchancen. Neben seinem Informationsdienst "Die Actien-Börse" stehen diverse Börsenbriefe aus seinem Redaktionsteam. Charakteristisch ist sein Mut, bei Bedarf gegen den Meinungsstrom zu schwimmen. Dabei kommt ihm nicht nur sein langjähriger Erfahrungsschatz zugute, sondern auch unzählige persönliche Kontakte, die ihm besonders intime Einblicke ermöglichen.

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