DAX®15.618,98-0,32%TecDAX®3.644,42-0,65%Dow Jones 3035.144,31+0,24%Nasdaq 10015.125,95+0,09%
finanztreff.de

Der Clou

| Quelle: Hans A. Berneck... | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Plötzlich aus dem Stand heraus übersprang der DAX am Dienstag sämtliche Regeln der Charttechniker, Analysten und sonstigen Prognosen. Wohl geschätzt 90 % aller Kommentare in den Tagen vorher setzten auf ratlose Kommentare und nur 10 % wagten einen Blick über den Zaun. 3 % Tagesgewinn für den DAX bei rd. 3 Mrd. Euro Umsatz sind deshalb eine Sensation.

Ausgerechnet die Autoindustrie war der Motor. Vor 5 Jahren begann das Dilemma mit dem VW-Skandal, in dessen Zuge sämtliche Chefs der Autokonzerne entweder kriminalisiert oder für unfähig erklärt worden sind, was teilweise auch stimmte, aber der Beweis ist erbracht:

Richtiges Handeln zum richtigen Zeitpunkt und mit Konsequenz sichert den Erfolg. Lange Rede, kurzer Sinn:

Einige andere große Industrien stehen in Deutschland vor dem gleichen Problem oder der gleichen Chance. Ein Umbau der Konzerne wird das wichtigste Thema der nächsten Jahre sein. Gleichgültig ob Chemie oder Logistik bzw. Maschinenbau etc. Sie alle arbeiten mit Strukturen, die nicht mehr als zeitgerecht gelten. Nur ein Wechsel an der Spitze kann neue Perspektiven schaffen. Ich nenne ausdrücklich keine Namen, um niemanden persönlich zu nahe zu treten, aber:

Die neue Generation von deutschen Privatanlegern verlangt eine andere Sicht. Angeblich erweiterte sich dieser Aktionärskreis in Deutschland um 5 Mio. in den vergangenen zwei Jahren, 6 Mio. werden zurzeit genannt. Diese Wirkung hatten wir schon einmal ab 1985. Mit der Privatisierung der Deutschen Telekom stieg die Zahl der Aktionäre sogar noch deutlicher, wovon etwa die Hälfte wieder enttäuscht den Markt verlassen hat. In der Zwischenzeit reduzierte sich die deutsche Aktionärszahl auf 6 Mio. und aktuell sind es in der Summe rd. 12 Mio. Was sind deren Kriterien?

Lt. Umfragen sind diese neuen Aktionäre zwischen 20 und 45 Jahre alt, verfügen über ein Konto von durchschnittlich 55.000 Euro bzw. einer Bandbreite zwischen 25.000 und 250.000 Euro und teilweise über 1 Mio. Euro hinaus. Alles Umfragewerte. Wo liegen deren Ziele? Nach der gleichen Umfrage investierten diese Anleger bislang rd. 40 % in US-Techs mit den Lieblingsnamen Apple, Tesla etc. Immerhin rd. 30 % investierten in deutsche Tech-Firmen, die deutlich kleiner sind, aber immerhin techorientiert. Das heißt, die Mehrzahl der Anleger kauft die Zukunft und keine bekannten Aktien von Unternehmen, die gut verwaltet werden, solide Gewinne erwirtschaften, aber null Phantasie ausstrahlen. Das wird der kritische Punkt für die nächsten Monate/Jahre werden. Drastisch formuliert:

Wer nichts bietet oder liefert, ist kein Investment. Aus so gut wie jedem Stoff oder jeder Technik lassen sich neue Produkte entwickeln, die marktgerecht sind und in der Zukunft Bedeutung haben. Auch ein wahrer Oldie wie RWE gehört dazu.

Die Amerikaner glänzen mit Tech. Die Erwartungen der ganzen Welt konzentrierten sich in den letzten Monaten auf die bekannten Namen. Das ist glänzend gelaufen, bedarf aber nun der richtigen Sortierung. Wie dies funktioniert, zeigte in dieser Woche Zoom als die wohl bekannteste Adresse für Konferenztechnik. Der Umsatz im ersten Quartal wurde verdreifacht, der Gewinn verzehnfacht, und was machte der Markt daraus? + 3 % Kursgewinn. Alles war richtig eingepreist, aber ein Marktwert in Milliardenhöhe war einfach zu viel. So funktioniert der Umbau von Tech zu Value, bis ein Marktgleichgewicht erreicht sein wird. Dies ist stets relativ zu verstehen und nicht absolut, lediglich in den Prozentzahlen der Kursveränderungen nachzuvollziehen. Beispiel: Wenn Apple um 10 % korrigiert, sind das 200 Mrd. Dollar. Wenn Boeing um 10 % anzieht, sind das nur 14 Mrd. Dollar. Daran wird erkennbar, dass die begonnene Rotation gut unterwegs ist, aber noch nicht beendet wurde.

Der DAX-Sprung am Dienstag läutet diesen Umbau ein. Darin liegen die Chancen, etwas höher als die Risiken, und auf die Sortierung kommt es an. Das ist der Clou über den Börsensommer hinweg.

„Der DAX-Zug fährt ab.“ Das war meine Botschaft in Bernecker.tv am Mittwoch der letzten Woche und an diesem Mittwoch gab es die Ergänzung. Zum besseren Verständnis des Gesagten, ist diese Sendung eigentlich ein Muss. Ich wünsche Ihnen nicht nur Spaß, sondern einen guten Blick in die Hintergründe, wie große Märkte relativ einfache Sachverhalte kursmäßig umsetzen. Ein schönes Wochenende,

Ihr

Hans A. Bernecker

Schlagworte:
, , , , , , , , , , ,
Werbung

Das könnte Sie auch interessieren

Hans A. Bernecker

Hans A. Bernecker Hans A. Bernecker ist das Urgestein der dt. Börse. Seit grob sechs Jahrzehnten bietet der Nationalökonom Orientierung bei der Markteinschätzung und der Ableitung von Investmentchancen. Neben seinem Informationsdienst "Die Actien-Börse" stehen diverse Börsenbriefe aus seinem Redaktionsteam. Charakteristisch ist sein Mut, bei Bedarf gegen den Meinungsstrom zu schwimmen. Dabei kommt ihm nicht nur sein langjähriger Erfahrungsschatz zugute, sondern auch unzählige persönliche Kontakte, die ihm besonders intime Einblicke ermöglichen.

» Alle News von Hans A. Bernecker

News-Suche

Suchbegriff:

Aktuelle Videos

HSBC Trading TV

Werbung

Trading-Tipp

Börsen & Märkte

US-Marktüberblick

zur Mediathek
Werbung

Werbung
Diese Seite empfehlenschliessen
Interessant, oder?
Teilen Sie diese Seite auf Facebook oder Twitter
Wenn Sie auf die Teilen-Buttons klicken und sich bei den Betreibern einloggen, werden Daten an den jeweiligen Betreiber übermittelt. Bitte beachten Sie die Datenschutzerklärung.
Aktuelle Umfrageschliessen
Wie, glauben Sie, wird der DAX am Ende dieser Woche - KW 30 - stehen?
Jetzt abstimmen!
Alle Umfragen ansehen