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Die Weihnachtsrally

| Quelle: Hans A. Berneck... | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Die vielfach erwartete Weihnachtsrally ist gestartet. Eher bescheiden im Ausmaß oder Umfang, aber mit gutem Hintergrund. Bis vor 2, 3 Wochen war dies noch unklar. Ab dieser Woche dürften alle Eckwerte ausreichen, um die Weihnachtsrally zu begründen.

Die Fed beginnt ihr Tapering. Darüber ist vielfach diskutiert worden, worauf ich nicht näher eingehen muss. Entscheidend ist, dass sie mit kleinen Schritten beginnt und damit die befürchtete Einengung des sogen. Geldmantels nur sehr vorsichtig durchführen wird. Zunächst einmal mit einem Verzicht auf die Neuanlagen der Zinserträge aus den Bondbeständen, anschließend Reduzierung der monatlichen Bondkäufe. Darin liegt eine wesentliche Entspannung.

Die Europäer verzichten zudem demnächst auf die Schuldenbremse. Das bedeutet, dass es keine 0-%-Budgets mehr geben wird, sondern die neue Bundesregierung ihre bisherige 0-%-Politik aufgibt und somit Haushaltsdefizite von deutlich über 3 % p.a. möglich werden. Diesbezüglich ist Deutschland bisher am seriösesten verfahren. Künftig deutlich weniger seriös. Im Klartext: Mit der höheren Verschuldung wechselt die Versorgung der Märkte mit Liquidität künftig von der EZB weg mit ihren Bondkäufen hin zu mehr Bondemissionen im In- oder Ausland. Deutschland verfügt über den größten Spielraum. Wo die Zielwerte liegen könnten, ist noch unklar. Aber klar ist:

Es gibt künftig grundsätzlich mehr Liquidität, gleichgültig aus welchen Quellen. Dann kommt es darauf an, wie diese verwendet wird. Wird sie konsumtiv verwendet über Sozialausgaben aller Art inklusive Teile des Mindestlohnes oder einer deutlichen Anhebung der Renten, wie soeben angekündigt (5 % mehr), ist dies Verbrauch auf Pump. Alle sind darüber glücklich, werden sich freuen und das hebt die Stimmung.

Über die Investitionen darf weiter gerätselt werden. Alle Erklärungen in Rom und anschließend Glasgow sagen umfangreiche Programme voraus, aber keiner konkretisiert sie oder nennt echte Zahlen. Das funktioniert wie eine Blackbox. Anzunehmen ist jedoch, dass einige größere Konzerne mit dem Thema Wasserstoff anders umgehen als bisher angenommen. Heikel wird demnächst ein Thema, das für alle Deutschen wie eine Tretmine funktioniert: Gibt es eine Verlängerung der Laufzeit der AKWs? Nach den jüngsten Umfragen plädieren 52 % dafür, 36 % dagegen, der Rest ist unentschieden. Welche Partei oder welcher Politiker dieses Thema demnächst öffentlich anfassen wird, ist eine klare Wette oder ein Lottospiel. Doch einer wird es versuchen müssen. Dann ist der Aufschrei unermesslich groß. Für wie lange? Für ein paar Wochen, denn die Deutschen sind klug genug, zu erkennen, was jeder weiß, aber bislang verdrängt hat: Klimaneutralität gibt es ohne AKWs nicht. Alle Nachbarn rings herum sind dabei. Nur Deutschland spielt den Ausnahmefall. Dass eine solche Politik nicht standhält, kann sich jeder denken. Dann aber wird es spannend: Sollten Regierung und Öffentlichkeit diesen Weg gehen, verändert das in vielen Fällen das Investitionsklima im Land. Mit erheblichen Wechselwirkungen, die bislang so gut wie niemand auf der Agenda hatte. Eine Zahl steht im Raum: Die Verlängerung der AKWs würde nur etwa 1,8 Mrd. € kosten. Das ist bescheiden. Die Klimaneutralität verlangt aber für Deutschland Investitionen von 9 Bio. € oder rund das 2 ½ -Fache der Wirtschaftsleistung des Jahres. Was in solchen Zahlen steckt, kann man im Moment nur kombinieren, aber: Zum einen ist dieses Geld nicht über den Haushalt zu finanzieren, weder auf Bundes- oder Länderebene oder in anderen Formen. Mehr als die Hälfte bis 75 %, müsste also von den Unternehmen aufgewendet werden, was zu finanzieren ist. Dabei spielt die Börse, egal ob über Anleihen oder Aktien, eine zentrale Rolle. Man kann darüber streiten, welcher der effizienteste Weg ist. Aber er ist zwingend nötig. Dann kommt der Börse eine neue Rolle zu, denn Klimainvestitionen betreffen alle, große Konzerne wie Mittelbetriebe bis zum kleinen Handwerker.

Das Geld ist da. 7,3 Bio. € Geldvermögen aller Deutschen zusammen ist der aktuelle Betrag. Die liquiden Mittel in dieser Summe werden von der Bundesbank mit 2,8 bis 2,9 Bio. € angegeben und erreichen voraussichtlich 3 Bio. € Endes des Jahres. Die reinen Barvermögen, die also sofort zur Verfügung stehen, werden nach gleicher Quelle mit 1,9 Bio. € angegeben. Das sind die Beträge, die demnächst eine wesentliche Rolle dabei spielen werden, wie die Deutschen ihre bisherigen Ziele der Klimaneutralität sachlich aufbauen und finanziell bewältigen können. Alle diese Fragen stehen im Hintergrund der Weihnachtsrally.

Von der Spitze aus zu starten, ergibt ein begrenztes Potenzial. Man kann es auf 7 – 9, vielleicht 12 %, schätzen, gemessen in DAX & Co. In der Regel reicht dies bis Mitte/Ende Januar. Die genannten Prozentzahlen sind ein Schnitt. Die Auswahl im Einzelnen lässt aber Erholungen bis 20 % zu. Also bitte: In Stellung gehen!

Ihr

Hans A. Bernecker

 

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Hans A. Bernecker

Hans A. Bernecker Hans A. Bernecker ist das Urgestein der dt. Börse. Seit grob sechs Jahrzehnten bietet der Nationalökonom Orientierung bei der Markteinschätzung und der Ableitung von Investmentchancen. Neben seinem Informationsdienst "Die Actien-Börse" stehen diverse Börsenbriefe aus seinem Redaktionsteam. Charakteristisch ist sein Mut, bei Bedarf gegen den Meinungsstrom zu schwimmen. Dabei kommt ihm nicht nur sein langjähriger Erfahrungsschatz zugute, sondern auch unzählige persönliche Kontakte, die ihm besonders intime Einblicke ermöglichen.

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