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Es ist soweit

| Quelle: Hans A. Berneck... | Lesedauer etwa 3 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Die Inflation stieg im September auf 4,1 %. Die Energiepreise werden aufgeregt diskutiert und stehen im Mittelpunkt aller Überlegungen sowohl in der Politik wie auch bei den Verbrauchern. Die Umlaufrendite (FAZ) für Bundesanleihen überstieg am Mittwoch für 10-jährige Titel erstmals die magische Marke von 0 % auf + 0,02 %. Damit sind die Trends erkennbar.

Wie Inflationen entstehen und verlaufen, habe ich schon erläutert. Sie beginnen wie fast immer mit zwei Ansätzen, einmal seitens des Finanzaufwandes der öffentlichen Hand (Finanzierung der Coronakrise) und zum anderen mit den kritischen Preisen für Rohstoffe. Was lässt sich aus der jetzigen Situation erkennen?

Alle Preise für Öl, Gas und Strom sind politische Preise. Einmal seitens der OPEC, zum anderen seitens der größten Gaserzeuger wie etwa Russland - und für die Strompreise ist es der Staat. Knapp die Hälfte des gegenwärtigen Strompreises für alle deutschen Verbraucher sind staatliche Gebühren, also keine echten Preiskomponenten der Herstellung. Darin liegt der erste Ansatz für vernünftige Normalisierungen. Wie die neue Bundesregierung damit umgeht, werden wir demnächst erfahren. Jedenfalls ist ein Teil dieser Kosten zu reduzieren.

Die OPEC und Russland sind die größten Anbieter, die sauber kalkulieren: Wo liegt der optimale Schnittpunkt zwischen Förderung und Preis? Das lässt sich nur vermuten und nicht genau berechnen, aber rückblickend gibt es einen Aufschluss dafür. Für die OPEC-Länder gilt seit Jahren die Schlüsselzahl 70 bis 80 Dollar das Barrel, um die Haushalte dieser Länder zu finanzieren. Eine Anhebung auf 90 Dollar erscheint deshalb möglich und wahrscheinlich, weil die genannten Zahlen etwas älter sind.

Für Russland gilt das Gleiche: Möglichst hohe Lieferung, bis die Abnehmer die zugesagten Mengen reduzieren. Wahrscheinlich steht Deutschland diesbezüglich im Mittelpunkt des Interesses. Jedenfalls hat sich der Bau von Nord Stream 2 für die Russen glänzend bezahlt gemacht. Für die Deutschen ist immerhin die Größenordnung für die Lieferungen ein zusätzlicher Puffer. Andererseits ist klar, dass Gas sich am Öl orientiert und nicht Öl am Gas. Das kennen Sie aus früheren Gelegenheiten.

Völlig neu ins Spiel gebracht ist die Kernkraft. Die Franzosen und weitere 6 Europäer stellten zum Wochenanfang ausdrücklich fest, dass es keine Klimaneutralität ohne Kernkraft geben wird. Diesem Satz ist nichts beizufügen. Ich nehme an, dass die Koalitionäre diese Nachrichten ebenfalls zur Kenntnis genommen haben. Ob sie darüber jetzt schon diskutieren, ist unbekannt, aber alle drei stehen vor der gewagtesten Änderung der deutschen Energiepolitik im Umfeld einer spannungsfrohen Gegensätzlichkeit, die es in keinem anderen Land der Welt gibt. Nach den letzten Umfragen (vor einigen Jahren) waren etwa 50 % aller Deutschen für den Ausstieg und die andere Hälfte für die Beibehaltung.

Also: Wir reden zum einen über die Preise und demnächst zum anderen über eine komplett neue Definition, wie man klimaneutral werden kann bzw. muss. Viel Vergnügen!

Ihr

Hans A. Bernecker

 

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Hans A. Bernecker

Hans A. Bernecker Hans A. Bernecker ist das Urgestein der dt. Börse. Seit grob sechs Jahrzehnten bietet der Nationalökonom Orientierung bei der Markteinschätzung und der Ableitung von Investmentchancen. Neben seinem Informationsdienst "Die Actien-Börse" stehen diverse Börsenbriefe aus seinem Redaktionsteam. Charakteristisch ist sein Mut, bei Bedarf gegen den Meinungsstrom zu schwimmen. Dabei kommt ihm nicht nur sein langjähriger Erfahrungsschatz zugute, sondern auch unzählige persönliche Kontakte, die ihm besonders intime Einblicke ermöglichen.

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