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Gericht will Betrugsfall um Goldhändler aufklären

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Quelle: dpa-AFX

Von Oliver Pietschmann, dpa

Wo ist das Gold, wer hat sich eventuell bereichert - und gab es das Edelmetall überhaupt? Diese Fragen versucht ein Prozess in Darmstadt zu klären. Investoren könnten um Millionen betrogen worden sein.

Darmstadt (dpa) - Es geht um Tausende Verträge für den Kauf von barrenweise Gold, um Bonusversprechen, geprellte Anleger und den möglichen Verbleib großer Mengen des Edelmetalls.

Seit Anfang Dezember vergangenen Jahres müssen sich vor dem Landgericht in Darmstadt der frühere Geschäftsführer und der alte Chef der Vertriebsfirma des Goldhändlers PIM aus dem hessischen Heusenstamm wegen schweren Betruges verantworten. Ein langwieriges und aufwendiges Verfahren.

Zäher Prozess

Als der Prozess gegen die 50 und 53 Jahre alten Männer am 8. Dezember begann, waren Verhandlungstage bis in den Juni terminiert. Mittlerweile plant die 9. Strafkammer bis in den Dezember. Nach Angaben des Landgerichts gab es bislang rund 30 Prozesstage, knapp 30 sollen folgen. Doch nach Meinung von Prozessbeteiligten wird auch das nicht reichen.

«Ich habe den Eindruck, dass keiner genau weiß, wohin das Verfahren treibt», sagt die Anwältin des 50-jährigen Ex-Geschäftsführers, Stefanie Schott. Die Zeit bis Dezember wird ihrer Auffassung nach nicht genügen. Und auch der Verteidiger des Mitangeklagten, Marcus Traut, glaubt nicht, dass man mit den geplanten Verhandlungsterminen durch ist.

Eine Art Schneeballsystem

Die mutmaßlichen Opfer lösten Bausparverträge oder Lebensversicherungen auf, machten Finanzmittel mit Haus- oder Unternehmensverkäufen locker, auch Geld aus Erbschaften oder Rücklagen für die Altersvorsorge - in der 226 Seiten umfassenden Anklageschrift schildert die Staatsanwaltschaft, wie die Investoren aus ihrer Sicht um ihr Geld geprellt worden sind.

Das Unternehmen soll zwischen 2016 und September 2019 mit Kunden Lieferverträge einschließlich Bonusversprechen über Gold abgeschlossen, disee dann aber nicht erfüllt haben. Zinsen sollen nach einer Art Schneeballsystem mit Geld neu angeworbener Kunden ausgezahlt worden sein.

140 geladene Zeugen

«Bislang sind nur Zeugen vernommen worden und wir wissen überhaupt nicht, über welchen Schaden wir sprechen», sagt Schott. Die Verteidigung habe bislang noch keine Beweisanträge gestellt. Nach Angaben von Landgerichtssprecher Jan Helmrich wurden bislang rund 60 Zeugen gehört. Rund 140 Zeugen sind geladen worden.

Darunter ist auch der Mann, der mit seiner Anzeige im Mai 2017 das Verfahren ins Rollen brachte. Eigentlich sollte er an diesem Donnerstag vor einer kleinen Sommerpause gehört werden, seine Vernehmung wurde aber auf Ende August verschoben. Laut Schott war er früher selbst Mitarbeiter der PIM Gold GmbH. Was ist von seiner Aussage zu erwarten? «Darüber will ich vor der Vernehmung des Zeugen ungerne reden», sagt Traut.

Wegen Corona: Angeklagter überwiegend in Einzelhaft

Gut zwei Jahre nach der Anzeige wurden die Räume der Firma im Juli 2019 erstmals durchsucht. Aufgrund der Ermittlungen wurde ein Haftbefehl gegen den Geschäftsführer vollstreckt, der seither in Untersuchungshaft sitzt. PIM musste den Geschäftsbetrieb einstellen und ging in die Insolvenz. Der 50-jährige Angeklagte sitzt wegen des Prozesses und der daraus resultierenden Quarantänebestimmungen wegen der Corona-Pandemie überwiegend in Einzelhaft und darf am Tag eine Stunde in den Hof. «Wir haben schon mehrfach versucht, ihn aus der Haft zu bekommen», sagt Schott. Auch eine Aufhebung der Quarantäne habe man beantragt.

Auch wenn für Verteidigerin Schott unklar ist, um welchen Schaden es in dem Verfahren geht, so hat der Insolvenzverwalter Renald Metoja in dem Prozess seine Auffassung von der Dimension geschildert. «Es hätten drei Tonnen da sein müssen», sagte er Anfang Juli über die Mengen Gold, die nach den Verträgen eingelagert gewesen sein müssten.

270 Kilo Feingold

Gefunden worden seien nach dem Insolvenzantrag 2019 rund 270 Kilo Feingold und rund 180 Kilo Schmuck. Es gebe bislang berechtigte und geprüfte Forderungen von Anlegern in Höhe von 140 Millionen Euro. Ein Privatdetektiv gehe Gerüchten nach, Mitarbeiter von PIM hätten möglicherweise Edelmetalle in die eigene Tasche verschwinden lassen. Die beiden Angeklagten schweigen bislang in dem Prozess zu den Vorwürfen.

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