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MARKT-AUSBLICK/Börsen schalten mit B.1.1.529 in Risk-off-Modus

| Quelle: Dow Jones Newsw... | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen
(Technische Wiederholung)

Von Manuel Priego Thimmel

FRANKFURT (Dow Jones)Das Covid-Virus hält immer wieder Überraschungen bereit. Gerade als man glaubte, die Pandemie dank der nun zur Verfügung stehenden Impfstoffe im Griff zu haben, sorgen Meldungen über eine in Südafrika neue, möglicherweise resistente, Virus-Variante B.1.1.529 für Verunsicherung. Noch fehlen Daten, aber die Börsen sind nach der Nachricht schlagartig in den Risk-off-Modus gewechselt. In Kombination mit den massiven Inflationsproblemen drohen den Börsen ungemütliche Tage, vielleicht sogar Wochen.

Die Virus-Variante weist laut Experten eine sehr hohe Anzahl von Mutationen auf und gibt Anlass zur Sorge. Die Variante, die noch keinen offiziellen Namen trägt, hat das Zeug, Nachfolger der Delta-Variante zu werden. Ob die vorhandenen Impfstoffe dagegen wirksam sind, ist noch unklar. Großbritannien hat wegen der neuen Variante den Reiseverkehr mit sechs afrikanischen Ländern eingestellt und die Weltgesundheitsbehörde WHO eine Expertentagung einberufen, um zu erörtern, ob der neue Stamm zu einer "besorgniserregenden Variante" erklärt werden soll. Ein Unglück kommt selten allein Bis die wissenschaftlichen Daten zur Verfügung stehen, um die Gefahren, die von der neuen Variante ausgehen, ernsthaft einschätzen zu können, wird es eine Weile dauern. Die Unsicherheiten im Vorfeld werden den Börsen nicht gut tun und diese tendenziell unter Abgabedruck setzen. Das Hauptrisiko aus Sicht der Finanzmärkte sind neue flächendeckende Lockdowns mit entsprechenden Auswirkungen auf die Wirtschaft - die bisherigen Prognosen für Wachstum und Unternehmensgewinne wären dann schnell Makulatur.


Ein Unglück kommt selten allein

"Explodierende Energiepreise, anhaltende Lieferengpässe und eine starke Nachfrage dürften die Inflationsrate für den Euroraum im November auf den höchsten Stand seit Beginn der Währungsunion getrieben haben", so die Commerzbank mit Blick auf die am kommenden Dienstag anstehenden Preisdaten. Im November wird die Inflationsrate im Euroraum mit 4,5 Prozent wohl den höchsten Wert seit Beginn der Währungsunion erreicht haben. Ein Grund hierfür war einmal mehr die fortgesetzte Verteuerung von Energie.


Powell-Nominierung ist ein falkenhaftes Signal

Nachdem die Zentralbanken das Inflationsproblem lange ignoriert haben, scheint sich die Stimmung langsam zu wenden. Das trifft zwar nicht auf die EZB zu, die aus Rücksicht auf die überschuldete Peripherie der Eurozone glaubt, sich eine Verschärfung der Geldpolitik nicht leisten zu können. Aber zumindest in die Reihen der US-Notenbank ist Bewegung gekommen; die Zahl der falkenhaften Töne hat in den vergangenen Tagen deutlich zugenommen.

Die erneute Nominierung von Jerome Powell für eine zweite Amtszeit als Fed-Präsident durch US-Präsident Joe Biden wurde an den Finanzmärkten als hawkishes Signal gewertet. Powell setzte sich gegen seine als geldpolitische Taube geltende Kollegin Lael Brainard durch. Die Powell-Nominierung dürfte auch politisch motiviert sein. Mitte kommenden Jahres droht den Demokraten bei den Kongresswahlen eine empfindliche Niederlage, sollte die Inflation bis dahin nicht gezähmt sein - Biden würde zur "lahmen Ente" werden.


Volatilitätsspitzen bieten Chancen

Die Zahl der Beobachter, die auf eine schärfere Gangart der US-Notenbank setzen als bislang erwartet, nimmt zu. So geht die Deutsche Bank davon aus, dass die Fed die Wertpapierkäufe stärker als antizipiert drosseln wird, und diese bereits Ende März, und nicht erst Ende Juni, auslaufen werden. Mitte 2022 wird dann mit einer ersten Zinserhöhung gerechnet. Die Commerzbank erwartet die zinspolitische Wende in den USA nun ebenfalls bereits im ersten Halbjahr des kommenden Jahres.

Natürlich ist es möglich, dass die Zinserhöhungsfantasien an den Märkten wieder ausgepreist werden, sollte sich B.1.1.529 als schwerwiegend erweisen. Für die Anleger ist das aber nur ein schwacher Trost, wären doch negative Wachstumsfolgen und Druck auf die Unternehmensgewinne zu erwarten. Allerdings bringen Risiken auch Opportunitäten. Volatilitätsspitzen und damit einhergehende Abverkäufe an den Märkten sollten unbedingt zum Aufbau neuer Positionen an den Märkten genutzt werden.

Kontakt zum Autor: manuel.priego-thimmel@wsj.com

DJG/mpt/raz

END) Dow Jones Newswires

November 26, 2021 08:07 ET ( 13:07 GMT)

Copyright (c) 2021 Dow Jones & Company, Inc.
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