DAX®15.380,79+1,39%TecDAX®3.752,95-0,16%Dow Jones 3035.227,03+1,87%Nasdaq 10015.846,16+0,85%
finanztreff.de

Nikolausparty

| Quelle: Hans A. Berneck... | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Vor Weihnachten beginnt ab Nikolaus die echte Weihnachtszeit. An diesem Tag soll angeblich nach Plan die neue Bundesregierung vor dem zweitgrößten Parlament der Welt (nach China) vereidigt werden. In 24 Arbeitskreisen wird über das künftige Regierungsprogramm bereits beraten. Das ist fraglos ambitiös.

Sämtliche Probleme, die die Deutschen in den letzten Monaten diskutiert haben, sollen in einem Plan verarbeitet werden. Es ist ebenfalls das umfangreichste Regierungsprogramm seit 1949. Das bedeutet, alles ist möglich oder nichts. Fest steht bereits und ist auch logisch: Jede Partei muss ihre Ziele einbringen und ausreichend Berücksichtigung finden, woraus ein Programm entsteht, das dem kleinsten Nenner entspricht. Mit anderen Worten: Keine Partei erzielt einen Durchbruch in ihrer Sache, wenn sie nicht gleichzeitig in anderen Fragen zurückstecken muss. Was macht die Börse daraus?

Die Weihnachtsrally ist die übliche Erwartung aller Börsianer, sowohl in New York wie in Frankfurt und mehr oder weniger allen anderen Börsen. Es wird diesmal in besonderer Form eine Stimmungsfrage sein. Denn selten tritt sowohl in New York als auch in Frankfurt eine Regierung und eine Notenbank an, um grundsätzliche Wenden zu begründen oder eine völlig neue Perspektive aufzubauen.

Der Terminplan in New York, besser in Washington, steht. Ab Mitte November wird die Fed, soweit bisher bestätigt ist, die Zinsen aus den bisherigen Bondbeständen nicht mehr wieder anlegen. Gleichzeitig werden die monatlichen Bondkäufe schrittweise zurückgefahren. Das ergibt in der herumgereichten Rechnung eine Reduzierung der Bilanzsumme der Fed um etwa 700 bis 800 Mrd. Dollar oder 7 – 8 % der aktuellen Bilanzsumme. Darin liegt ein Bremseffekt, aber ein verträglicher. Das Ergebnis ließ sich in den letzten Tagen schon erkennen: Die Tech-Giganten lieferten wahrlich gigantische Resultate. Alphabet und Microsoft jeweils mit rd. 20 Mrd. Dollar Gewinn. Reaktion des Marktes: 1 – 2 %. Vielleicht kommen noch 3 % dazu. Das nennt man erfüllte Erwartungen. Da eine Hochrechnung in diesem Umfang für die kommenden 6 Monate vollkommen unmöglich ist, müssen alle Analysten nun zurückbuchstabieren oder diese Konstellation einzupreisen versuchen. Das wird schwierig. Die drei Indizes in New York tun sich damit schwer.

Der DAX lebt von der Hoffnung. Einerseits von den zitierten neuen Programmen der Ampel-Regierung und zum anderen von den faktischen Resultaten der Unternehmen. Die Deutsche Bank meldete soeben zum 5. Mal ein positives Quartalsergebnis und der Chef persönlich war im Interview sehr stolz darauf. Was machte der Markt daraus? – 5,2 %! Die Rahmendaten für die deutsche Börse sind deshalb bescheiden. Dafür ist der DAX auch der billigste Index dieser Art im Weltvergleich. Er kann also deutlicher zulegen, wenn die Fantasie ausreicht, die Zukunft Deutschlands gemäß Ampel in besonderer Form vorwegzunehmen oder zu honorieren. Wofür reicht das?

Die bekannte Wette 20.000 gegen 13.000 bleibt im Raum. 13.000 wäre nur wahrscheinlich gewesen, wenn es eine rot-rot-grüne Kombination gegeben hätte. Das Thema ist erledigt. Bis 20.000 sind es jedoch rd. 30 %. Das ist zu viel. Aber 20 % bis Weihnachten sind mit dem Stimmungsindikator im Rücken durchaus möglich. Warum?

Die Deutschen sind keine erfahrenen Börsianer. Glauben sie aber an die Aktie oder an eine neue Zukunft, sind sie vielfach unberechenbar. Das zeigt die Vergangenheit. Damit der Markt insgesamt, gemessen am Tagesumsatz von meist um 3 Mrd. Euro im DAX im Verhältnis zu dem Anlagegeld, das zur Verfügung steht, auch wirklich investiert, benötigen sie etwa netto 3 bis 5 Mrd. Euro mehr für Investitionen, um ein solches DAX-Ziel zu erreichen. Eine solche Rechnung ist eher ungewöhnlich, aber sie gab es schon ein oder sogar zwei Mal. Am prägnantesten 1999/2000, als im Zuge des damaligen Dotcom-Hypes alle das Gleiche wollten, nämlich Aktien, die teilweise wertlos waren. Die Deutschen waren aber getrieben von dem Glauben, dass nach dem Börsengang von Dt. Telekom alle Aktien ein dynamisches Investment darstellen. 6 Mio. mehr Aktionäre waren plötzlich Käufer, die darauf hofften.

Über Stimmungen an den Märkten zu diskutieren, ist schwer. Am besten erkennbar sind sie in den Medien. Mit der Bildung der hoffnungsvollen neuen Regierung kann sich eine solche Stimmung aufbauen. Das wird die erste Phase einer Weihnachtsrally, aber zunächst bis Nikolaus begrenzt. Dann sehen wir weiter.

Ihr

Hans A. Bernecker

Börsianer lesen Briefe der Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH unter www.bernecker.info im Abo oder unter www.boersenkiosk.de im Einzelabruf!

 

 

 

Schlagworte:
, , , , , , , , , , , , , , ,
Werbung

Das könnte Sie auch interessieren

Hans A. Bernecker

Hans A. Bernecker Hans A. Bernecker ist das Urgestein der dt. Börse. Seit grob sechs Jahrzehnten bietet der Nationalökonom Orientierung bei der Markteinschätzung und der Ableitung von Investmentchancen. Neben seinem Informationsdienst "Die Actien-Börse" stehen diverse Börsenbriefe aus seinem Redaktionsteam. Charakteristisch ist sein Mut, bei Bedarf gegen den Meinungsstrom zu schwimmen. Dabei kommt ihm nicht nur sein langjähriger Erfahrungsschatz zugute, sondern auch unzählige persönliche Kontakte, die ihm besonders intime Einblicke ermöglichen.

» Alle News von Hans A. Bernecker

News-Suche

Suchbegriff:

Aktuelle Videos

HSBC Trading TV

Werbung

Trading-Tipp

Börsen & Märkte

US-Marktüberblick

zur Mediathek
Werbung

Werbung
Diese Seite empfehlenschliessen
Interessant, oder?
Teilen Sie diese Seite auf Facebook oder Twitter
Wenn Sie auf die Teilen-Buttons klicken und sich bei den Betreibern einloggen, werden Daten an den jeweiligen Betreiber übermittelt. Bitte beachten Sie die Datenschutzerklärung.
Aktuelle Umfrageschliessen
Schlechte Nachrichten belasteten letzten Donnerstag die Papiere des iPhone-Herstellers. Laut der Nachrichtenagentur „Bloomberg“ schwächt sich die Nachfrage nach dem iPhone13 spürbar ab. Da das Angebot an neuen iPhones wegen der Probleme in der Lieferkette derzeit knapp sei, hätten sich offenbar manche Konsumenten gegen einen Kauf des eigentlich begehrten Geräts entschieden. Glauben Sie, dass Apple, trotz der Probleme in der Lieferkette, Ihre gewohnten Umsätze schaffen werden?
Jetzt abstimmen!
Alle Umfragen ansehen