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OTS: Börsen-Zeitung / Greenflation, Marktkommentar von Kai Johannsen

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Greenflation, Marktkommentar von Kai Johannsen
Frankfurt (ots) - Dass das Marktsegment von Green und Sustainable Finance, wozu
auch die Green Bonds gehören, die Kapitalmärkte in den nächsten Jahren
umkrempeln wird, gilt als ausgemachte Sache. Allerdings wird dieses Marktsegment
auch erhebliche Auswirkungen auf die Realwirtschaft zeigen, denn genau das ist
ja der Zweck.

Green Bonds wurden 2007 von der in Luxemburg ansässigen Europäischen
Investitionsbank (EIB) nicht um ihrer selbst willen erschaffen, um also nur ein
neues Anlageprodukt zu haben. Sondern es ging gerade darum, über zweckgebundene
Anleihen einen Beitrag zu Klima- und Um­weltschutz zu leisten. Und somit zeigt
dieses Marktsegment nach 14-jähriger Existenz Auswirkungen, was bei einem
mittlerweile mehr als 2 Bill. Dollar schweren Markt hinsichtlich des
ausstehenden Volumens an grünen und auch sozialen und nachhaltigen Anleihen auf
der Hand liegt.

In einer Reuters-Analyse zu den Auswirkungen von Green Finance widmen sich
Sujata Rao und Simon Jessop der Frage, ob Green Finance und damit die Green
Bonds auch zu mehr Teuerungsdruck und auch einem anhaltenden Inflationsschub
führen: Greenflation - zusammengesetzt aus den Begriffen Green und Inflation -
könnte damit die realwirtschaftliche Auswirkung sein. Und das könnte die
Kapitalmärkte wiederum intensiver beschäftigen, denn es könnte bei deutlichem
und anhaltendem Inflationsanstieg, der dann auf Green Finance zurückzuführen
ist, auch die Notenbanken auf den Plan rufen, die hierauf mit einer Verschärfung
der Geldpolitik reagieren, was schlussendlich auch wiederum Rückkopplungseffekte
auf die Märkte von Anleihen, Aktien sowie Währungen zeigen würde.

Natürlich kann heute niemand mit Gewissheit sagen, ob es durch Green Finance und
die damit ausgelösten realwirtschaftlichen Veränderungen tatsächlich in einigen
Jahren zu höheren Teuerungsraten kommt. Ohne Zweifel wird in Sachen Klima- und
Umweltschutz in den nächsten Jahren noch einiges an Regulierung auf Unternehmen,
Banken und andere Institutionen zukommen. Und das wird mit erheblichen Kosten
verbunden sein.

Diese Projekte, die über Green- und Sustainable-Finance-Instrumente finanziert
werden, werden die Realwirtschaft stark verändern. Die Wirtschaft wird grüner
und nachhaltiger, das ist ja gerade das Ziel. Die Frage ist, ob etwa Unternehmen
die damit verbundenen Kosten über Preisüberwälzungen an Kunden weitergeben
können oder ob das nicht der Fall ist und sich dadurch ihre Gewinnmarge
verschlechtert, was letzten Endes an den Aktienmärkten etwa in Form geringerer
Dividenden nicht gut ankommen könnte. Vermutlich wird die Antwort nicht
einhellig sein, mitunter wird es zu Preisüberwälzungen kommen, weil Kunden die
Sinnhaftigkeit der Projekte erkennen und bereit sind, zumindest einen Teil der
damit verbundenen Kosten zu tragen. In anderen Bereichen wird das nicht der Fall
sein. Das muss abgewartet werden. Die Auswirkungen auf die Teuerung und damit
die Rückkopplungseffekte auf Märkte lassen sich nicht verlässlich
schlussfolgern.

Die Veränderungen sind vielschichtig; es gibt unzählige Beispiele. Bestimme
Kraftfahrzeuge werden aus dem Verkehr verschwinden, weil sie Anforderungen nicht
mehr erfüllen. Das bekommen Produzenten zu spüren, weil diese Fahrzeuge nicht
mehr nachgefragt werden. Andere treten an ihre Stelle, die in hoher Zahl
produziert werden und deren Preis tendenziell eher sinken wird. Ähnlich sieht es
bei Container- und Kreuzfahrtschiffen aus, die verschwinden werden, wenn sie
grün und nachhaltig ausgerichtete Häfen nicht mehr anlaufen dürfen. Das wird bei
Reedereien und Frachtunternehmen auch nicht unbemerkt bleiben. Es muss reagiert
werden: Schiffe mit "sauberem" Antrieb müssen her. Auch das verursacht Kosten.
Aber ob diese langfristig hoch sein werden oder ob es nur zu einem
vorübergehenden Teuerungsschub kommt, ist die Frage. Denn irgendwann ist der
Übergangsprozess auch mal abgeschlossen, die Kosten des Übergangs fallen dann
weg. Doch das wird noch viele Jahre dauern. Vielleicht ist es auch so wie bei
den Green Bonds: Auch hier war nicht absehbar, ob die Papiere zu dauerhaft
höheren Renditen am Markt platziert werden müssen und es dadurch zu
Renditeschüben kommt, weil die Anleger höhere Renditen verlangen, wenn sie
Gelder in solche Projekte investieren. Oder ob sie die gleichen Renditen wie bei
nicht-grünen Anleihen verlangen. Oder ob sie bereit sind, sogar geringere
Renditen bei Green Bonds zu akzeptieren. Heute gibt es das Greenium: Niedrigere
Renditen bei grünen Anleihen. Greenflation würde dann gebildet aus: Green und
Deflation.

Pressekontakt:

Börsen-Zeitung
Redaktion

Telefon: 0692732-0
www.boersen-zeitung.de

Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/30377/5053851
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