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Stresstest

| Quelle: Hans A. Berneck... | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Zwei Begriffe spielen in den nächsten Wochen die wichtigste Rolle dafür, ob sich die bisherigen Spitzenkurse aller Indizes nahtlos fortsetzen können oder eine technische Korrektur wahrscheinlicher wird. Es wäre ideal, wenn dies geschähe.

Ob Delta eine wirkliche dritte Coronakrise bewirkt, weiß niemand. Auch Virologen sind sich darin nicht einig. Tritt sie aber ein, finden die dazu nötigen Kontrollmaßnahmen in der Bevölkerung eine nachhaltige Wirkung und mithin auch am Markt. Das Risiko im DAX liegt dann bei 10 oder 12 % und das wäre die ideale Gelegenheit, bestehende Positionen aufzubessern oder neue Positionen einzugehen. Ebenso simpel, wie es schon in der ersten Krise im März/April 2020 richtig war, die Schreck-Stimmung zu nutzen. Die zweite Krise lief im Oktober/November letzten Jahres mit gleicher Wirkung.

Die Zinsfrage enthält mehr in der Sache und in der Wirkung. Entgegen allen offiziellen Äußerungen der zwei Notenbanken (Fed und EZB) vor 8 bzw. 10 Tagen fiel am Dienstag die EZB-Chefin schon um oder tritt deutlich leiser auf. Sie erwartet für die nächste EZB-Ratssitzung eine umfangreiche Diskussion bis zu Streitfragen über die weitere Zinspolitik. Noch vor drei Tagen hatte sie umfangreich darüber fabuliert, wie die EZB ihre gesamte Strategie überdenken müsse. 72 % aller Experten rechnen lt. Reuters-Umfrage mit einem Ende der Bondkäufe bis Jahresende oder kurz danach.

Die Wall Street macht es schon vor, fast nach Lehrbuch: Bekanntlich zogen die T-Bond-Renditen von 0,65 % bis auf 1,75 % an. Dem folgte eine deutliche technische Korrektur, fast genau in der bekannten Größe von 50 %, und die Rendite tippte ungefähr auf die 200-Tage-Linie auf, die seit über 6 Monaten schon steigt und den Grundtrend jedes Marktes definiert. Dieses Tief lag bei 1,25 %. Inzwischen 1,41 % und damit ist die Wette relativ sicher, mit Zinsen von 2,20 und mehr Prozent per Jahresende zu rechnen. Somit wäre die Zinswende perfekt.

Wie reagieren die Märkte auf diesen Sachverhalt? In beiden Fällen gibt es keinen Grund zur Hektik oder eine Crash-Angst, aber alle Marktteilnehmer müssen sich darauf einstellen. Wie?

Bondinvestoren verlieren ebenso viel in ihren Bondkursen, wie die Rendite steigt. Das weiß jeder, gleichgültig in welcher Form und in welcher Zeit. Ein guter Messwert ist dafür eine Bundesanleihe. Zum Beispiel die 5,625 % Anleihe per 2028. Sie kostet zurzeit 141,45 %, obwohl sie in 7 Jahren mit 100 % getilgt wird. Die Differenz zwischen beiden Kursen zeigt das Risiko an, wie sich Anleihen dieser Art von höchster Qualität künftig bewegen. Alle weiteren Varianten lassen sich täglich nachvollziehen.

ETF-Zins-Konstrukte aller Art nebst anderen Kombinationen gehörten in den letzten Jahren zum Angebot von Banken und Sparkassen für Sparer, um eine tragbare Rendite zu erreichen. Das war nicht falsch, aber: Alle diese Konstrukte verlieren im gleichen Umfang, wie nun alle Preise auf den Tatbestand sinkender Zinsen einzustellen sind. Ein Rückzug ist jedenfalls geboten.

Die Aktienbewertung läuft differenzierter. Vom Zins im Kapitalmarkt hängt die Wachstumsprämie ab, die im KGV am besten sichtbar ist. Alle Wachstumsaktien mit extrem flottem Geschäft erzielten in den letzten Jahren eine hohe Prämie dadurch, dass die diskontierte Ertragserwartung zu einer Prämie führte, die im KGV mit über 30 erkennbar wurde. Ich nenne ausdrücklich keine Namen. Fest steht jedenfalls: So wie die Zinsen sich nördlich bewegen, bewegen sich die Bewertungen südlich. Das hat mit dem Geschäftsverlauf nur wenig oder gar nichts zu tun. Die Risiken sind einzeln zu diskutieren. Dazu gehört auch:

Unternehmen, deren Geschäfte deutlich stärker wachsen, als die Risikoprämie reduziert wird, können sich auf dem Kursniveau halten und sogar leicht zulegen. Lediglich ein neuer Boom wäre ausgeschlossen.

Klassische Value-Titel, die man auch als Renditeaktien beschreiben kann, sind davon nur marginal berührt. Das Risiko ist sehr begrenzt und in vielen Fällen zu ignorieren. Zwischen Wachstum zum einen und Value zum anderen gibt es also vielfältige Brücken, die dafür sorgen, dass der Markt im Gleichgewicht bleibt. Aber:

Das Tempo der gesamten Markttendenz wird sich erkennbar reduzieren. Aus 20 % Indexgewinn pro Jahr werden 10 % und weniger. Dies nun einzupreisen oder gut zu adjustieren, ist das Gefechtsfeld der Analysten in den nächsten Wochen/Monaten. „Vive la différence!“ ist die Parole.

Ihr

Hans A. Bernecker

 

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Hans A. Bernecker

Hans A. Bernecker Hans A. Bernecker ist das Urgestein der dt. Börse. Seit grob sechs Jahrzehnten bietet der Nationalökonom Orientierung bei der Markteinschätzung und der Ableitung von Investmentchancen. Neben seinem Informationsdienst "Die Actien-Börse" stehen diverse Börsenbriefe aus seinem Redaktionsteam. Charakteristisch ist sein Mut, bei Bedarf gegen den Meinungsstrom zu schwimmen. Dabei kommt ihm nicht nur sein langjähriger Erfahrungsschatz zugute, sondern auch unzählige persönliche Kontakte, die ihm besonders intime Einblicke ermöglichen.

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