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Tesla mit neuem Paukenschlag

| Quelle: FIN_BLOG | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Elon Musk ist immer für eine Überraschung gut. Am Dienstag kam eine Meldung über sein verifiziertes Twitterkonto, welche zuerst keiner so richtig glauben konnte.

Mit der späteren Bestätigung durch einen Rundbrief an die Mitarbeiter wurde die Tesla-Aktie an der Nasdaq vorübergehend vom Handel ausgesetzt.

Am Ende des Handelstages schloss die Aktie fast 11% höher in Reichweite des alten Allzeithochs aus dem Jahr 2017:

 

Worum ging es? Elon Musk denkt darüber nach, Tesla von der Börse zu nehmen und wieder zu einem privaten Unternehmen zu machen. Die Finanzierung des Unternehmens sei gesichert, ein nicht benannter Investor bzw. eine nicht benannte Investorengruppe sei dazu bereit. Der sogenannte Leveraged Buy Out (LBO mit Going Private) solle bei einem Aktienkurs von 420 USD erfolgen, ein ansehnlicher Aufschlag auf den Kurs, selbst nach dem jüngsten Anstieg. Er wolle seine 20% Anteile an Tesla behalten und das Unternehmen damit in ruhigere Fahrwasser bringen. Der Druck jedes Quartal überzeugende Ergebnisse liefern zu müssen, die riesige Menge an Leerverkäufern (Shorts), mit denen Elon Musk faktisch einen Privatkrieg führt, die damit einhergehende Volatilität des Aktienkurses, dass alles schade der Unternehmensentwicklung und übe sich negativ auf die Belegschaft aus. Tesla könne langfristig „ruhiger“ wirtschaften, so wie das nicht börsennotierte Projekt von Musk, SpaceX. Gleichzeitig betonte er aber auch, dass das Ganze noch kein feststehender Entschluss ist.

Kurz zuvor war bereits bekannt geworden, dass der Saudi-Arabische Staatsfonds einen bedeutenden Anteil an Tesla aufgebaut hat. Der saudische Public Investment Fund (PIF) hat angeblich dieses Jahr einen Anteil zwischen 3 und 5% am Elektrofahrzeughersteller gekauft. Handelt es sich vielleicht bei den Arabern zumindest um einen der Investoren, die an einem Leveraged Buy-Out interessiert wären?

Auf die Fragen, was dann mit den vielen privaten Aktionären von Tesla sei, antwortete Musk, dass diese entweder bei 420 USD verkaufen können oder ihre Anteile behalten und selbst zu privaten Anteilseignern werden. Auch ein SPV (Special Purpose Vehicle), ein spezieller Fonds für die Anteilseigner schwebt Musk vor. Einen erzwungenen Verkauf der Anteile schließt er aus und hofft alle Aktionäre bleiben nach einem LBO als Anteileigner erhalten. Anteilskäufe und -verkäufe sollten dann limitiert möglich sein, etwa jedes halbe Jahr, ähnlich wie bei SpaceX.

Die Frage, woher die Finanzierung für das LBO herkommen soll, beantwortete Musk nicht konkret. Die Unterstützung durch Investoren sei gegeben. Der einzige Grund, warum es noch nicht sicher ist, sei die Abhängigkeit von der Zustimmung der Aktionäre:

 

Bei einem Aktienkurs von 420 USD und der entsprechenden Bewertung von über 60 Mrd. USD inklusive des Fremdkapitals, würde ein LBO von Tesla der größte Buy-Out-Deal aller Zeiten werden und den bisherigen Rekord des Kaufs des Energieversogers TXU durch den Private Equity Investor KKR im Jahr 2007 weit übertreffen, der inklusive des Fremdkapitals 45 Mrd. USD ausmachte.

Skeptische Marktbeobachter, und deren gibt es mindestens genauso viele, wie Fans von Tesla, fassen es in etwa so zusammen. Sollte die Ankündigung von Elon Musk Substanz haben, ist es ein Fest für die Tesla-Aktionäre. Doch wenn es nur ein Versuch war, die Leerverkäufer von Tesla zu bestrafen und nicht wahr sein, wird es Klagen durch die geschädigten Leerverkäufer hageln und Tesla immens schaden. In diesem Fall könnte es als illegale Marktmanipulation ausgelegt werden. Elon Musk müsste auf jeden Fall nachweisen, dass er faktisch eine Finanzierung für ein LBO zumindest in die Wege geleitet hat.

Ein anderer Kritikpunkt ist, dass sich viele nicht vorstellen können, dass ein großer Investor, das Risiko der schwer geldhungrigen und nach wie vor defizitären Tesla-Unternehmung auf sich nimmt. Bloomberg-Kommentator Sebastian Boyd überschlug zudem, dass nach einem LBO bei 420 USD der Fremdkapitalhebel bei über 90 liegen würde, auf so einer Grundlage könne man kein Unternehmen führen.

Nichtsdestotrotz, Tesla’s Produkte sind bei den Besitzern beliebt, zumindest die älteren Tesla Modelle wie der Tesla X haben regelmäßig die Zufriedenheitsumfragen unter Autobesitzern angeführt. Dem taten gelegentliche Meldungen über abgebrannte Fahrzeuge oder Reichweitenprobleme keinen Abbruch. Alles ist möglich, ob Elon Musk bald den oder die Investoren benennt, bleibt spannend und abzuwarten.

Wir bleiben für Sie am Ball und verweisen an dieser Stelle auf unsere aktuelle Chartanalyse zu Tesla.


Ihr finanztreff.de Team

Aktualisierung zum Montag, den 13. August: Nachdem am Freitag bereits erste Sammelklagen im Interesse der Shortseller eingereicht wurden, zeichnete sich über das Wochenende eine Kuriosität ab. Reuters berichtete zunächst, dass es keine Absicht des saudi-arabischen Staatsfonds gegeben hätte, sich an einem LBO zu beteiligen, mit Bezug auf anonyme Quellen. Eine Meldung, die die Tesla-Aktie nach dem Wochenende auf Talfahrt geschickt hätte. Hingegen meldete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Sonntag genau das Gegenteil, unter Bezugnahme auf anonyme Quellen. Verrückter geht es kaum. Man darf gespannt bleiben.

 

 

 

 

 

Bildquelle Teslaspulen: https://pixabay.com/de/teslaspule-hintergrund-3304926/

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