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Vorkasse

| Quelle: Hans A. Berneck... | Lesedauer etwa 3 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Alle Volkswirte und Banker setzen auf eine fulminante Aufholjagd der Volkswirtschaften, angefangen von China und USA mit jeweils rd. 6 % und Deutschland um etwa 3,5 %. Diese Idee ist ebenso richtig, wie sie merkwürdigerweise nur sehr zögernd im DAX sichtbar wird. Im MDAX schon etwas besser, mit immerhin + 4 % seit Jahresanfang, im DAX mit + 2,1 % sehr bescheiden und die drei Amerikaner bringen es im Schnitt auf ungefähr 3,5 %.

Das erste Quartal des Jahres verläuft damit sehr gemischt. Die Ergebnisse der Firmen sind hervorragend, aber wer ist bereit, dies mit höheren Kursen zu belohnen?

Einpreisungen von Erwartungen funktionieren wie Vorkasse. Es ist ein Vorgriff, der sich rechtfertigen lässt, aber noch zu beweisen ist. Deshalb stagniert die Marktstimmung auf hohem Niveau und die Tagesumsätze bleiben bescheiden. Im DAX im Wochenverlauf zeitweise deutlich unter 3 Mrd. Euro und selbst der Nasdaq schaffte am Ende nur noch gut 40 Mrd. Dollar.

Die großen Techs waren der Hit des letzten Jahres und präsentierten Superergebnisse in den letzten drei Wochen. Die Reaktion darauf fiel bescheiden aus, weil sie alle schon 100 % und mehr an Kursgewinnen vorgelegt hatten. Das eine war Traum, das andere ist nun Show. Denn in allen Ergebnissen stecken fulminante Gewinne der Corona-Zeit, die sich in den kommen 12 oder 18 Monaten bei Weitem nicht wieder erreichen lassen. Somit wird es schwierig, Billionen Dollar Marktwerte zu rechtfertigen. Denn: Die Barquote aller großen Fonds liegt bei 3,9 %. Das ist der niedrigste Barbestand oder anders gesagt: Sie sind bis zur Halskrause investiert. Was werden also die großen Investoren nun berücksichtigen müssen, wenn sie die Erwartungen der kommenden 10 Monate richtig einpreisen wollen? In der Regel geht das so: Die Einpreisungen waren richtig und bringen im Falle des Verkaufs satte Gewinne. Damit verbindet sich fast automatisch eine Korrektur, die alleine aus den Positionslösungen resultiert. Das ist das übliche Risiko im ersten Quartal eines Jahres und das erklärt den augenblicklichen Stillstand. Erst ein Rücksetzer um 10 oder 20 % schafft dann die Luft, neue Perspektiven einzupreisen. Diese Phase steht noch bevor. Sie fällt nicht dramatisch, aber erkenntnisreich aus.

Wer nur die eine oder andere Gewinnverbesserung verspricht, dürfte es schwer haben. Entscheidender ist, welche Perspektiven oder Strategien die Manager bieten. Aktuellster Fall in Deutschland ist Daimler. Die Aufspaltung in PKW und LKW wurde zwar begrüßt und in einer ersten Reaktion mit + 8,9 %, im weiteren Verlauf aber lediglich mit 3 % Tagesgewinn honoriert. Das erscheint äußerst bescheiden, denn: Wie viel Vermögensreserven werden durch diesen Umbau freigesetzt und werden in den jeweiligen Kursen sichtbar werden? Zum gegenwärtigen Marktwert von Daimler insgesamt mit rd. 70 Mrd. Euro kommen etwa 30 Mrd. Euro stillschweigend dazu, indem nach der Trennung zwei Daimler-Kurse existieren werden, nämlich Daimler-Alt und Daimler-Neu inklusive Namensänderungen. Im aktuellen Marktwert stecken also Werte, die nur über die neuen Börsennotierungen sichtbar werden. Denn diese Rechnung ist in Deutschland weitgehend unbekannt, aber leicht nachvollziehbar. Siemens hatte es vorgemacht: Vor der Zuteilung von Siemens Energy lag der Marktwert von Siemens-Alt um 90 Mrd. Euro. Nach der Trennung notiert Siemens-Alt bei rd. 111 Mio. Euro und die zugeteilte Tochter Siemens Energy erreichte bereits 22 Mrd. Euro, wovon etwa 35 % im Kurs von Siemens-Alt noch immer enthalten sind. Im Daimler-Kurs stecken mithin gut 30 – 40 % Potenzial alleine daraus, dass die teilweise schwerfälligen Konstrukte deutscher Konzerne aufgelöst werden. Das ist Börse-Neu ab 2021!

Ihr

Hans A. Bernecker

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Hans A. Bernecker

Hans A. Bernecker Hans A. Bernecker ist das Urgestein der dt. Börse. Seit grob sechs Jahrzehnten bietet der Nationalökonom Orientierung bei der Markteinschätzung und der Ableitung von Investmentchancen. Neben seinem Informationsdienst "Die Actien-Börse" stehen diverse Börsenbriefe aus seinem Redaktionsteam. Charakteristisch ist sein Mut, bei Bedarf gegen den Meinungsstrom zu schwimmen. Dabei kommt ihm nicht nur sein langjähriger Erfahrungsschatz zugute, sondern auch unzählige persönliche Kontakte, die ihm besonders intime Einblicke ermöglichen.

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