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Wer zieht zuerst?

| Quelle: Hans A. Berneck... | Lesedauer etwa 3 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

An den Märkten geht es im Moment zu wie im Wildwestsaloon. Sie kennen das aus guten Westernfilmen. Beide stehen sich gegenüber, können, wollen, aber lassen es dennoch sein, weil sie Angst haben, umzufallen. Die BIZ in Basel (Bank für Internationalen Zahlungsausgleich) legt in der neuesten Analyse sowohl die Sache als auch den Zeitplan vor.

Die Waffe der Fed als größter Bank entspricht dem 45er-Colt. (Die EZB läge beim 38er.) Sie weiß, was sie mit dieser Waffe riskiert oder bewirken kann. Ein Zinsschritt zur falschen Zeit würde einen Schock auslösen. Die Steuerung der Geldmenge, also der Bondkäufe, lässt sich vermutlich leichter lenken und besser in den Zahlen verstecken. Darum geht es in den nächsten Wochen bis wahrscheinlich September. Das Gewicht ist erheblich:

Eine Reduzierung der Geldmenge, egal in welcher Form, ob Abnahme der Bondkäufe oder die Reduzierung der Wiederanlagen der Erträge aus den Bondbeständen, verringert den Spielraum für die Märkte. Der letzte Test dieser Art verlief im vierten Quartal 2018. Damals reichte eine Reduzierung der Bondbestände ohne Anmeldung um insgesamt 50 Mrd. $ in ca. 6 Wochen, um die Indizes um 15 % reagieren zu lassen, und für die großen Techs kostete dies bis 25 %. Daran wird die Wirkung erkennbar. Das liefe jetzt in ähnlicher Form. Also: Wie steuert die Fed in der klaren Absicht ihrer Ziele das Eingreifen in den Markt? Es geht also nicht um Einbruch oder Chaos oder Crash, sondern um eine sinnvolle Normalisierung. Darin liegen die Risiken.

Ein Zinsentscheid wirkt dagegen wie ein Paukenschlag. Die Reaktionen der Märkte daraufhin verlaufen mit ziemlicher Sicherheit schneller, voraussichtlich sehr schnell, wie frühere Crash-Fälle gezeigt haben, so im Oktober 1987, im September 1998, und teilweise nach der Lehman-Insolvenz. In diesen Fällen musste die Fed sofort über die Operationen im Geldmarkt den Markt auffangen. Dafür reichten in der Regel wenige Tage. Aber ein Risiko bleibt es. Also:

Die EZB kann nicht als erster ziehen. Dazu ist sie zu schwach und nicht maßgebend für die Märkte der Welt. Deshalb konzentriert sich alles auf die Meinung von Fed-Chef Powell, der in den nächsten zwei Monaten jede Woche kunstvoll und sehr geschickt den Märkten erklären muss, dass er etwas tun müsse, aber nicht wisse, was.

Der Börsensommer 2021 wird deshalb schwierig und kompliziert, aber in der Sache nicht gefährlich. Das Risiko liegt in den Marktüberraschungen und nicht in den Bewertungsfragen von Unternehmen oder Ideen. Auch Positives gehört dazu.

Elon Musk startet sein neues Ding. Mit Starlink soll ein Satelliteninternet entstehen, das über 42.000 Satelliten das sog. schnelle Internet oder ein Zwischending zwischen 5G und Glasfaser darstellt. Ideen dieser Art sind stets die wichtigsten Impulse in der Technologie der nächsten Jahre. Die Investitionen nennt Musk mit 20 bis 30 Mrd. Dollar. Das dürfte zwar nicht reichen, aber: Der Börsengang von Starlink wird der nächste Hit werden, wann immer er kommt. So wie Tesla vor 8 oder 9 Jahren, der die Autowelt verändert hat. Anstöße dieser Art sind deshalb in der Sache entscheidender als die Manipulationen der Notenbanken in Sachen Zinsen.

Der Tipp für heute: Im Bernecker.tv erläutern wir heute die Zauberformel der Amis. Wie diese funktioniert, ist so gut wie unbekannt, dabei geläufig seit vielen Jahren in der amerikanischen Politik bzw. Geldwelt. In ihr liegt der Schlüssel, wie die zitierte Fed damit umgehen kann oder muss für die kommenden Monate. Kein Schusswechsel à la Wildwest, sondern sehr vorsichtiges Taktieren mit sinnvollen Konsequenzen.

Ihr

Hans A. Bernecker

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Hans A. Bernecker

Hans A. Bernecker Hans A. Bernecker ist das Urgestein der dt. Börse. Seit grob sechs Jahrzehnten bietet der Nationalökonom Orientierung bei der Markteinschätzung und der Ableitung von Investmentchancen. Neben seinem Informationsdienst "Die Actien-Börse" stehen diverse Börsenbriefe aus seinem Redaktionsteam. Charakteristisch ist sein Mut, bei Bedarf gegen den Meinungsstrom zu schwimmen. Dabei kommt ihm nicht nur sein langjähriger Erfahrungsschatz zugute, sondern auch unzählige persönliche Kontakte, die ihm besonders intime Einblicke ermöglichen.

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